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Gedanken über Facebook!

Bisher hatte ich nicht in Betracht gezogen, einem sozialen Netzwerk beizutreten. Wozu auch. Ich habe einen großen Bekanntenkreis, treffe mich regelmäßig zum Bier und Plaudern, politischem Streitgespräch und Fachsimpeln. Es gibt eigentlich kaum etwas, was nicht erörtert wird. Man sitzt sich gegenüber und ein Gespräch nimmt seinen zeitnahen Verlauf.
Und wozu gebe ich das nun hier gekannt?

Ich hatte vor wenigen Wochen eine Mail zur Anregung erhalten, in der mir vorgeschlagen wurde, den Bekanntheitsgrad der Webseite elbbrücke.de durch Veröffentlichungen bei Facebook zu verbessern. Natürlich bin ich für alle Arten von Anregungen aufgeschlossen und dankbar.
Daraufhin gab es etliche Gespräche zu Erfahrungen mit Facebook. Natürlich wurde alles überlagert durch Nachrichten zu chaotischen Masseneinladungen zu Privatparties. Gestern erfuhr ich aber, dass einem Bekannten meines Tischgegenübers folgendes Widerfuhr. Während eines Tripps in die USA sah dieser sein Konterfei auf einem Billboard. Das heißt dort so! Bei uns ist das eine Werbefläche.
Wie kann so was sein?
Schlicht und einfach: So wie alle facebook user präsentiert man sich mit einem Bild von sich. (Wozu auch immer)

Ich lehnte mich zurück und erwiderte: Na das geht ja nun wirklich nicht. Das verstößt doch gegen das Urheberrecht. Der Urheber vergibt gegen eine entsprechende Vergütung zu einer definierten Verwendung ein Nutzungsrecht.
Antwort: Na dann schau Dir mal die AGB von Facebook an!

Gut, die habe ich nicht gefunden, weil ich nicht herausfand, wo ich diese hätte finden können. Das kann auch sein, dass ich zu doof bin. Aber Spiegel-inline als auch golem.de brachten Licht ins Dunkel.

Quelle: Spiegel-online

...Facebook veröffentlicht den Abschnitt auch auf seinen deutschen Seiten nur in englischer Sprache - daher hier eine Übersetzung:

„Sie übertragen Facebook hiermit eine unabänderliche, unbefristete, nicht exklusive, übertragbare, hiermit vollständig bezahlte, weltweit gültige Lizenz (mit dem Recht sie weiter zu lizenzieren), alle Nutzer-Inhalte zu verwenden, kopieren, veröffentlichen, streamen, speichern, öffentlich aufzuführen, zeigen, übertragen, scannen, neu zu formatieren, verändern, redigieren, übersetzen, auszugsweise zu nutzen, adaptieren und zu verbreiten, die Sie bei Facebook einstellen (…).“

Diese Lizenz gilt fast uneingeschränkt, nämlich für folgende Nutzungsfälle (auch hier gibt es keine offizielle Übersetzung):

„... für jede Art der Verwendung, eingeschlossen kommerzieller und werblicher, innerhalb des Facebook-Dienstes selbst oder in Verbindung damit oder als Werbung dafür.“

- PAUSE -

Aha! Ich tue jetzt so, als hätte ich alles verstanden. Aber...

Was ist eine nicht exklusive Vergabe: keine ausschließliche Nutzungsrechtübertragung vielleicht? Aber was ist mit dem übertragbaren Nutzungsrecht, das sich Facebook nimmt. Das gibt es nur für eine ausschließliche Nutzung bei entsprechend höherer Vergütung. Und jetzt wirds lustig: Und hiermit vollständig bezahlte Lizenz. Ist da jetzt Geld geflossen? Darf ich raten? Die Bezahlung bewegt sich so um die 0,- €. Alles klar? Das muss man dann auch nicht überweisen.

Das ist also „soschel netwörk“!
Was ist hier aber nun bitte der soziale Aspekt, worin soll ich den ausmachen. Da wird geistiges und materielles Eigentum geklaut, deformiert und für ne Menge Kohle an andere verhökert.
- Da springt mir doch glatt ein Gedanke durch den Kopf. -
Ohne Facebook hätte Herr Zuckerberg ja ein Sozialfall sein können. Somit hat sich das zum Guten gewendet.

Hat sich die Frage für mich, ob oder ob nicht, nun erledigt? Anregende Gespräche bei einem wiederum anregenden Getränk machen einfach mehr Spaß. Ich kann am Gesichtsausdruck meiner Tischnachbaren erkennen, ob sie sich durch ein Gesprächsthema langweilen oder es interessant finden. Ein anderes Thema ist auch schneller gefunden als eine neue Community.

Ein letzter Aspekt vielleicht noch: Ich setzte mich nicht an einen Tisch, nicht mal an einen virtuellen, mit Leuten, die postulieren, dass mit dem Hinsetzen meine Sachen ihnen gehören.
Na so weit kommts noch. Prost!

Juni 2013

Betrachtung

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